Rezension

Pamela Moore: Cocktails

Das Hollywood der 50er Jahre ist glamourös und gleichzeitig zutiefst traurig. In Bars und Hotels tummeln sich die vielen Schauspieler wie in einem Warteraum. Sie alle warten auf den einen Anruf, der sie reich und berühmt macht. Die meisten von ihnen vergeblich.

Courtney ist gerade einmal fünfzehn Jahre alt, als ihre Mutter, eine Schauspielerin, sie widerwillig aus dem Internat in Scaisbrooke Hall zu sich nach Hollywood holt. In einem Leben, in dem nichts wichtiger ist als die eigene Darstellung, muss sich das Mädchen jedoch schnell selbst zurechtfinden. Für Courtney scheinbar kein Problem, denn nach eigener Aussage versteht sie sich besser mit älteren Männern als mit gleichaltrigen Mädchen. Auch ihre erfolglose Mutter kann ihr den Halt, den sie braucht, nicht geben. Auf der Suche nach Zuneigung und Anerkennung lässt Courtney sich auf eine Affäre mit einem berüchtigten, schwulen und deutlich älteren Schauspieler ein.

„Es war viel sicherer, einen Mann zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen als ihre Mutter: Männer ließen sich ersetzen, wenn sie sich als Reinfall erwiesen.“

Doch der Glanz von Hollywood blättert auch für Coutney schnell ab. Nach der Pleite ihrer Mutter ziehen beide nach New York City. Zusammen mit ihrer einzigen Freundin Janet, mir der sie in Scaisbrooke ein Zimmer teilte, zieht Courtney von einer Cocktailparty zur nächsten. Glanz und Glamour sollen fortan die eigentlichen Probleme der beiden vergessen machen.

Cocktails ist mit Sicherheit eine der Wiederentdeckungen des letzten Jahres. Mit gerade einmal 18 Jahren veröffentlichte Pamela Moore im Jahr 1956 ihren Debütroman. Vor 60 Jahren – da konnte man die Leser noch schocken, mit Sex, Alkohol und Parties in Kombination mit Mädchen, die ihre Eltern missachten oder hintergehen.
Gleichzeitig empfinde ich Cocktails als ein äußerst erwachsenen Roman, dessen Aktualität mich erschrocken hat.

„Es ist einfach eine furchtbare Verschwendung. Und es gibt gar keinen Grund dafür, ihnen fehlt nur der Mut. Sie schimpfen auf ihre Eltern, geben ihnen die Schuld an ihren eigenen Besäufnissen und an ihren wahllosen Affären, und trotzdem lassen sie sich weiter von diesen ach so verhassten Eltern unterstützen.“
Courtney musste an Janet denken. „Vielleicht gibt es ja doch ein paar Gründe mehr.“
„Nicht, wenn man genug Selbstachtung besitzt“, erwiderte er.

Die eigentliche Tragik dieses Romans sollte erst – oder schon – acht Jahre nach Veröffentlichung entstehen. Mit gerade einmal 26 Jahren wählte Pamela Moore den Freitod. Selbstmord, ein Thema, das auch in Cocktails immer wieder angesprochen wird. Man kann dem Roman daher sicherlich auch autobiographische Züge attestieren. Ich empfand die düsteren Stellen mit dem Hintergrundwissen als noch intensiver, auch wenn man der Autorin unrecht tut, sie und diesen Roman auf ihre eigene Geschichte zu reduzieren.

Pamela Moore: Cocktails
 Piper Verlag, 2015
304 Seiten, € 20,00

Weitere Rezensionen auf: Herzpotenzial und Sounds & Books

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